[Review] Condie, Ally – Matched (Cassia & Ky #1)

Taschenbuch

Erschienen: 2010

Sprache: Englisch

Seiten: 366

Verlag: Razorbill

ISBN: 978-0-141-34217-7

Preis: ca. 8,30 €

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

About the author:

Ally Condie is a former high school Englisch teacher who lives with her husband and three sons outside of Salt Lake City, Utah.

Klapptext:

On her seventeenth birthday, Cassia meets her match. Society dictates he is her perfect partner for life.

Except he’s not.

In Cassia’s society, Officials decide who people love. How many children they have. Where they work. When they die.

But, as Cassia finds herself falling in love with another boy, she is determined to make some choices of her own.

And that’s when her whole world begins unravel…

Meinung:

„Matched“, der erste Band der Cassia & Ky-Reihe, gehört zu einigen der Bücher, über die ich in der Regel gerne etwas schreiben würde, mir aber partout nichts einfallen will, um dieses Buch zu beschreiben – und ich habe wirklich lange und ausführlich über die Geschichte nachgedacht.

Es ist nicht so, dass ich die Geschichte von Cassia & Ky, die aus der Perspektive von Cassia in der Ich-Form erzählt wird, jetzt herausragend gut oder schlecht fand, sondern eher durchschnittlich. Die Idee ist nicht schlecht und auch die von Frau Condie beschriebene Welt hat ihren Reiz für mich, dennoch fand ich es ausgesprochen schade, dass hauptsächlich das Augenmerk auf die Liebensgeschichte von Cassia und Ky gerichtet war, sodass einige Aspekte der eigentlichen Gesellschaft, und damit etwas von der Substanz der Story, verloren gegangen sind. Denn auch hier habe ich nach dem Lesen einen kleinen Fragenkatalog zusammengekriegt, der mich immer wieder beschäftigt und hoffen lässt, im zweiten Band, der bereits auf meinem SuB lauert, einige Punkte geklärt zu bekommen.

Sprachliche Umsetzung/Story

Ich weiß nicht warum, aber ehrlich gesagt, habe ich einige Zeit gebraucht, um mich in die Geschichte von Cassia einzufinden. Ich hatte nicht nur mit der anfänglich beschriebenen Welt, die wirklich beinahe auf einen hereingekracht ist mit immer wieder neuen Aspekten, die zwar aufgenommen, aber nie wirklich zuende geführt werden, gekämpft, sondern auch mit der Protagonistin selbst. Aber dazu später mehr. Erst nach einigen Kapiteln, in denen der erste Schock und die ersten angedeuteten Aspekte abflauten, konnte ich das Lesen einigermaßen genießen, auch wenn ich häufig von den Fragezeichen, die in meinem Kopf aufleuchteten, abgelenkt wurde und die Geschichte zeitweise richtig monoton vor sich hintrottete. Was wirklich schade ist, denn potentiell wäre Platz für mehr Spannung gewesen.

Es mag zwar sein, dass die Leute in Cassias und Kys Umfeld beobachtet und kontrolliert werden, ebenso wie die beiden selbst. Doch kann eine Gesellschaft kaum davon existieren, dass sie einander überwacht und kontrolliert. Irgendwie muss jemand hinter dem System stehen; ein System, was auf den ersten Blick eher langweilig, aber immerhin gut organisiert wirkt. Ich glaube kaum, dass nur die Officials zur Kontrollausübung da sind. Doch wer zieht hinter diesen die Strippen? Wer kontrolliert/befehligt sie? Wie sieht das Regierungssystem aus? Demokratie oder Diktatur? Politische Situation von Cassias Stadt/Land?

Auch die Erklärung von Cassias zuständiger Official, dass man diese Intrige gegen sie mit ihrem Match gesponnen hat, weil sie angeblich zu… äh… rebellisch gewesen sei, fand ich etwas dürftig. Denn inwieweit soll sie rebellisch gewesen sein? Ständig hatte ich sie als Leser als ganz normale Bürgerin ihrer Stadt erlebt, die brav ihrem Alltagstrott folgt, wenn auch manchmal aus unerfindlichen Gründen in unlogische Verhaltensweisen verfallen ist. Doch warum hat man ihr den Streich mit dem Match gespielt? Warum sollte ihre Official (selbst wenn sie Cassia nicht leiden kann) so etwas tun? Auch muss es doch eine genauere und klarere Erklärung geben, warum und wieso ein derartiges Match-Experiment vorgenommen worden ist. Oder sehe ich das falsch? o.O

Und wenn man schon einmal beim Macht-System ist: Wie funktioniert das? Wer entscheidet darüber nach welchen Kriterien wer mit wem zusammenpasst? Geht es nach Äußerlichkeiten oder genetischer Kompatibelität? Wie ist dieses System entstanden und warum? Ich könnte zwar dahingehend das Ganze interpretieren, dass es in gewisser Weise eine Kombination aus beidem ist, dennoch fand ich die Idee  ansatzweise gut, aber die Umsetzung etwas schwächlich. Sorry, aber auch hier hätte ein bisschen mehr Substanz der Geschichte gut getan, statt ständig Cassia und Ky ergebnislos aufeinandertreffen zu lassen.

Aber immerhin hat man zwischen den beiden von Anfang an eine gewisse Verbundenheit und ein Knistern gespürt, was mich ein weniger milder stimmt, auch wenn beide nicht wirklich ehrlich miteinander umgehen, was ich wiederum sehr schade finde. Auch die angeführte Dreiecksbeziehung zwischen Cassia, Ky und Xander war eher dürftig. Ich hatte zwar als Leser immer das Gefühl, dass Xander mehr wollte, aber sich nicht wirklich getraut hat, sich ihr zu näheren und als er dann merkte, dass ein Rivale aus Kindertagen ihr näher steht, scheint ihn das nicht zu stören und um der Freundschaft willen zu Cassia versucht er ihr auch auf seine Art zu helfen. So niedlich wie ich diesen Charakterzug von Xander fand, so unnatürlich und falsch wirkte dieser, gemessen daran, dass er wirklich froh war Cassia als Match zugeteilt bekommen zu haben. Wirklich fragwürdig. Oder ob das Ganze noch in einer potentiell intriganteren Freundschaft weiter verfolgt wird und alles nur Show war? Hmmm… Fragen über Fragen.

Ein weiterer Punkt der angesprochen, aber nie wirklich erklärt wird, ist das Klassifizierungssystem und seine Funktion bzw. welche Klassifizierungen es genau gibt und nach welchen Kriterien sie beurteilt werden.

Die Charaktere

Insgesamt betrachtet, gab es ein paar sehr interessante Charaktere neben den eigentlichen Protagonisten, aber allgemein betrachtet empfand ich die Charakterumsetzung etwas dürftig, schwach und unausgereift.

Cassia ist zwar eigentlich eine intelligente Protagonistin, die man eigentlich schnell sein Leserherz schließen könnte, doch gemessen an ihrem Verhalten und ihren dargestellten Emotionen wirkte sie eher blass, leblos und wenig selbstständig. Cassia sieht ihre Welt nur unter einer riesigen Glaskuppel, alles andere als ihre Stadt, ihre Freunde und ihre Familie steht außen vor und interessiert sie nicht; sie interessiert sich für nichts, sie hat keine besonderen Hobbys und zeigt auch zu nichts besondere Aufmerksamkeit. Erst als sie anfängt, sich näher mit Ky zu beschäftigen und eine intensivere Freundschaft sich zwischen den beiden entwickelt, beginnt Cassia ihre Umwelt mit anderen Augen zu sehen. Sie beginnt zu verstehen, dass auch ihre Welt nicht perfekt und insgeheim ungerecht ist – ganz besonders Ky gegenüber. Doch richtig Gedanken wieso, weshalb und warum macht sie sich nie. Sie lässt alles auf sich hereinprasseln, akzeptiert alles wie es ist und ist nie wirklich aktiv, immer passiv und träge – zwar manchmal aus gutem Grund, aber dennoch einfach zu passiv. Erst alles zu spät ist und man sie sozusagen von der Klippe schubst, fängt sie an aktiv zu werden. Ein bisschen zu spät, aber na ja, man muss halt irgendwie drei Bände füllen, oder?

Ky ist laut dem Match-System inoffiziell der perfekte Partner für Cassia und doch warum er aufgrund seiner Klassifizierung dazu verdammt ist, für immer Single zu bleiben, erschließt sich mir nicht. Und auch potentielle Gründe für seine Klassifizierung werfen Fragen auf, die leider nicht beantwortet werden. Im Gegensatz zu Cassia sieht er die Welt komplett anders; sieht, dass er in einer Welt gefangen ist, in der alle Menschen kontrolliert werden und sich keiner Gedanken zu machen scheint, warum das so ist. Ky ist wesentlich selbstständiger, aber richtiggehend undurchsichtig. Er weiß mehr, als er bereit ist preiszugeben und das nicht, weil er es nicht will, sondern weil er die Menschen schützen will, die er liebt – allen voran seine Adoptiveltern und Cassia. Erst mit der Zeit beginnt Ky sich ein wenig zu öffnen und man beginnt seine Verhaltensweise ein wenig zu verstehen, aber dennoch bleibt er immer der stille Charakter, der mehr weiß und sieht als man als Leser geboten bekommt. Man spürt durch ihn förmlich, dass da Mehr sein muss, aber man bekommt einfach nicht Mehr geboten.

Xander ist der Dritte in dieser fungierten Dreiecksbeziehung und der offizielle Partner Cassias und gleichzeitig ihr bester Freund seit die beiden klein waren. Xander ist ebenfalls ein wenig undurchsichtig, aber immerhin ein wenig lebensfroher als die anderen beiden – jedenfalls kommt es mir so vor. Auch er sieht und weiß mehr, als er bereit ist zuzugeben. Einer der wenigen Charaktere, den ich wirklich mochte, auch wenn mir seine Rolle in der zukünftigen Handlung etwas fragwürdig erscheint. Ich bin gespannt, welchen Part er einnehmen wird.

Neben diesen drei zentralen Charakteren lernte man Cassias Familie kennen, die für diese kalte und monotone Welt doch recht herzlich wirkte. Besonders habe ich hier Cassias Bruder Bram ins Herz geschlossen; er war so unglaublich niedlich und aufgeweckt, dass man ihn hätte am liebsten die ganze Zeit knuddeln können. Mein absoluter Lieblingscharakter bisher. 😉

Der Reihenauftakt zu Cassia & Ky bietet durchaus Potential für Mehr und ich hoffe sehr, dass einem das auch in den Folgebänden geboten wird. Zudem hoffe ich sehr, dass die eigentliche Geschichte, die hintergründig angedeutet wurde, weiter ausgebaut wird. Ich fände es durchaus schade, wenn dieses Potential einfach irgendwo im Nirvana versinken würde.

Bewertung:

Ein Reihenauftakt, der Mehr verspricht, als eher bietet. Die Umsetzung ist leider eher durchschnittlich und wirft mehr Fragen auf als sie einem Antworten bietet. Auch die Charaktere schwächeln in ihrer Umsetzung, lassen aber die Hoffnung offen, dass deren Entwicklung in den Folgebänden vorangetrieben wird.

Infos zur Reihe:

  1. Matched (dt. Ausgabe: Die Auswahl)
  2. Crossed (dt. Ausgabe: Die Flucht)
  3. Reached – November 2012 (dt. Ausgabe: Die Ankunft – Januar 2013)
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Ein Gedanke zu „[Review] Condie, Ally – Matched (Cassia & Ky #1)

  1. Um dieses Buch wurde damals bei Erscheinen ja ein großer Wirbel gemacht, sowohl bei der englischen als auch der deutschen Version, und ich habe mich davon auch erst anstrecken lassen. Aber als ich es dann selbst gelesen habe konnte ich den Hype darum überhaupt nicht nachvollziehen. Klar einige Aspekte sind wirklich interessant, aber die Geschichte hat auch ihre Längen und Spannung kommt leider erst zum Schluss so richtig auf… mir ging es da also wie dir, auch wenn ich mir auf Anhieb nicht ganz so viele Fragen gestellt habe.

    Auch hier hinke ich bei der Fortsetzung wieder einmal hinterher und müsste sie mir endlich mal kaufen. Aber du kennst ja mein aktuelles Problem mit Dystopien *seufz* Ich kann dir nur hoffen, dass die Fortsetzung wirklich besser wird und du mich dann vielleicht zum Weiterlesen anstecken kannst 🙂
    liebe Grüße

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