[Review] Schroeder, Lisa – Far From You

Taschenbuch

Erschienen: 2009

Originaltitel: /

Sprache: Englisch

Seiten: 355

Verlag: Simon Pulse

ISBN: 978-1-4169-7507-6

Preis: ca. 5,99 €

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

 

About the author:

Lisa Schroeder is the author of „Far From You“ and „I Heart You, You Haunt Me“, a 2009 ALA Quick Pick for Reluctant Young Adult Readers. She loves to write in verse because it allows her to really get at the emotional core of the story. She is grateful to all of the people who have read her books and told their friends about them, since being an author is more fun than ponies or water slides (most of the time, anyway). Lisa lives in Oregon with her husband and two sons. 

 

 

Klapptext: 

 

Lost and alone… down the rabbit hole.

Alice thought she knew

what solitude was:

Her mother – gone.

Her father – remarried with a newborn

daughter. 

Now…

Trapped

in the icy emrbace of a deadly snowstorm,

Alices faces the true meaning of loneliness. 

But hope

may not be as far away

as she thinks… 

 

 

Meinung:

An was denkt ihr, wenn ihr über Feiertage und Schnee lest? Weihnachten, oder? Jedenfalls geht es mir so immer unweigerlich, weswegen ich beim sporadischen Durchstöbern von Rezensionen automatisch gedacht habe, dass sich die Bezeichnung von Feiertagen in Verbindung mit Schneesturm auf Weihnachten bezieht. Aber leider habe ich mich hier absolut verrannt, da ich jedes Mal den amerikanischen Feiertag Thanksgiving total unterschlage. Deshalb dürfte ich dieses Buch rein technisch gesehen, und auf meine eigenen Vorgaben bedacht, nicht als Geschichte zu meiner Aktion Adventslesen werten. Da die Geschichte aber an sich weihnachtliche Gefühle vermittelt und auch ganz unerwartet Weihnachtsgeschenke geplündert werden, erweitere ich meine eigenen Regeln – immerhin wird hier Weihnachten erwähnt und ein anderes Buch über Weihnachten konnte ich die Woche leider nicht mehr lesen.

Wie ihr aus meinen vorgenannten Anmerkungen entnehmen können, spielt der größte Teil der Handlung zu Thanksgiving bzw. kurz darauf. Alice, die junge Protagonistin von „Far From You“ ist 17 Jahre alt und hat ihre Mutter verloren. Diese ist an Krebs gestorben. Leider wird dem Leser während des Lesens nicht nahe gebracht, wie lange der Tod ihrer Mutter bereits zurückliegt und wie ihr Vater dann mit seiner neuen Frau zusammenkam. Einzig erlebt man als Leser mit, wie die Zeit vor dem Tod von Alice Mutter war und wie die Zeit vor Victoria, ihrer Stiefmutter, und Ivy, ihrer gerade erst geborenen kleinen Schwester gewesen ist. Das genaue Kennenlernen von Victoria und Alice erleben wir leider auch nicht, sodass man eigentlich nicht genau nachvollziehen kann, wie sich die Antipathie von Alice gegen Victoria genau entwickelt hat. Auf der einen Seite ist natürlich klar, dass Alice nicht möchte, dass Victoria die Position ihrer neuen Mutter übernimmt, wo sie doch ihre Mutter so vergöttert hat. Anders kann man es nämlich nicht beschreiben. In fast jedem Herzschlag, jedem Gedanken, steckt eine Erinnrung an ihre Mutter, die sie auf ihrem Weg begleitet und sie sich in ihrer Trauer verlieren lässt. Statt nach vorne zu sehen, blickt Alice stets zurück und verliert sich in der Erinnerung und Trauer. Darüber hinaus hatte ich als Leser das Gefühl, dass Alice sich von ihrer eigenen Umgebung abgekapselt hat und dazu ihre Leidenschaft für Musik als Vorwand nutzt. Selbst gegenüber ihren Freunden zeigt – außer Blaze, ihrem Freund – sie ihre eigentliche Trauer über den Verlust ihres Elternteils nicht und auch nicht, dass sie das Gefühl hat, dass sie auch ihren Vater verloren hat, seit er mit Victoria zusammen ist und sozusagen mit seinem neuen Kind auch sie ersetzt. Das kann ich von Alice Warte aus gut nachvollziehen und in gewissem Grade igeln wir Menschen uns gerne in unsere Trauer ein und wiegeln unsere Umgebung ab, um in unserer Traurer und unserem Schmerz versinken zu können. Doch auch, dass Alice’s Vater und dessen neue Frau irgendwann aufgegeben haben, Alice ihr Interesse zu wecken und sie ständig anzusprechen, konnte ich gut nachvollziehen. Da sie sich so eingeigelt hatte und niemanden an sich herangelassen hat, war es natürlich klar, dass sie ihr einen gewissen Raume geben wollten, um sich an die neue Situation zu gewöhnen und ihr Zeit zu lassen, ihren Platz in der Familie zu finden. Alice selbst möchte ja gern eingebunden werden, allerdings verkennt sie stets, dass nicht nur die anderen einen Schritt auf sie zumachen müssen, sondern sie auch auf die anderen. Man merkte z.B. als Leser, dass Viktoria es regelmäßig versuchte, Alice in ein Gespräch zu verwickeln und auch in die neue familiäre Situation einzubinden. Doch, wenn sich jemand dagegen wehrt, kann man ihn schließlich nicht zwingen. Den einzigen Kritikpunkt, den ich am Verhalten ihrer Familie sehe, ist der, dass auch der Vater, der eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihr hatte, sich von ihr abkapselt, weil sie ihn so sehr an seine verstorbene Frau erinnert. Und auch, dass sie nicht gesehen haben, wie tief ihrer Trauer ist, dass sie möglicherweise vielleicht mehr als ein klärendes Gespräch benötigt, um zu sehen, dass sie ein Teil der Familie ist und, dass man sie liebt. Möglicherweise wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, auch einmal über professionelle Hilfe – wenn nicht Einzel-, dann vielleicht Familientherapie – nachzudenken. Das wäre sicherlich einfacher gewesen, als die Situation nur vor sich herlaufen zu lassen. Auch fand ich es unangebracht, dass stets, ohne Alice in die familiären Entscheidungen einzubinden, die sie direkt oder indirekt betreffen, über ihren Kopf hinweg entschieden worden sind. Sowas gehört sich in einer Familie einfach nicht. Ein klärendes Gespräch und ein Anfang zwischen Alice und ihrer neuen Stiefmutter sowie ihrer neuen kleinen Schwester wird erst gemacht, als alle drei in einen Schneesturm – nach der Rückfahrt von Viktorias Eltern – gelangen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Alice erkennt, dass sie Viktoria stets falsch eingeschätzt hat und sie sich eigentlich gut mit ihr versteht, und auch, dass sie ihre kleine Schwester lieb hat, bleibt ihr nicht mehr verborgen. Denn nachdem Viktoria sich entschlossen hat, in der weißen Hölle nach Hilfe zu suchen, ist Alice für Ivy ganz allein verantwortlich und versucht alles, um ihre kleine Schwester zu retten und betet, dass auch ihre Stiefmutter einen sicheren Hafen erreicht hat.

Es ist manchmal wirklich nur traurig und Angst einflößend, dass man erst eine Tragödie braucht, um eine Familie an ihre Bande zu erinnern. Während des gemeinsamen Kampfes und der Opfergaben, die von Alice Seite aus während des Schneesturms getätigt werden, wird dem Leser näher gebracht, wie wichtig Familie, Vertrauen und Zusammenhalt ist. Auch der Zusammenhalt und Vertrauen zwischen Freunden wird thematisiert, denn nicht nur familiäre, sondern auch freundschaftliche Problemlagen belasten Alice. Wobei ich die freundschaftliche Situation eher mit kritischem Blick betrachte, denn wer Freunde hat, die beleidigen was man liebt, stellt sich automatisch die Frage, ob dies wirklich Freunde sind. Ich denke Alice wäre zeitweise ohne ihre Freundin besser dran gewesen und kann auch im Nachhinein gut auf sie verzichten, auch wenn sie sehr an dieser Freundschaft hängt.

In der Geschichte selbst, die die Autorin in Versform beschreibt und mit wenigen Worten eine so emotionale und anschauliche Welt aus der Perspektive von Alice in der Ich-Form beschreibt, habe ich selbst gespürt, dass man manchmal einfach der Blick für die wichtigen Dinge wie Familie, Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt und den Kampf für die Dinge, die uns wichtig sind, verloren gehen. Zu oft gehen wir von Menschen, die wir gern haben, getrennte Wege, nur weil es einfacher ist als zu kämpfen. Doch manchmal lohnt es sich zu kämpfen. Die Dinge, die zählen, sind nicht die materiellen Dinge, sondern die Sachen, die wir nicht für Geld kaufen können.

Neben Musik, die in dem Buch eine tragende und wichtige Rolle für die Protagonistin spielt, wird auch Literatur thematisiert. Genauer gesagt die Geschichte von „Alice im Wunderland“, nach dessen Hauptfigur die hiesige Progatonistin benannt ist, da ihre Mutter die Gesichte geliebt hat.

Natürlich ist Trauer ein festes und auch wichtiges Thema in der Geschichte, was ja letztendlich der Konfliktauslöser ist, aber dennoch lag für mich das Hauptaugenmerk auf der Problematik der familiären Situation und wie diese wieder zueinander findet und, dass es wichtig ist, für Dinge, die einem wichtig sind, zu kämpfen. Gerade der familiäre Teil, der nicht ganz Konfliktfrei ist, erinnert gerade zur Weihnachtszeit daran, wie wichtig Familie und Zusammenhalt ist. Eine Sache, die wir immer mal wieder gerne vergessen.

 

 

Bewertung:

Eine wunderschön beschriebene Geschichte über eine Familie, die sich trotz Zusammenlebens aus den Augen verloren hat und erst wieder zueinanderfinden muss. Eine Geschichte, die gerade zur Weihnachtszeit nachdenklich stimmt und den Rummel um die alljährlichen Weihnachtsgeschenke in den Hintergrund rücken lässt.

Weitere Bücher der Autorin:

  1. I Heart You, You Haunt Me
  2. Chasing Brooklyn
  3. The Day Before
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s